Hochmotiviert sitze ich im Auto auf der Rückfahrt von unserer Baby-/Kleinkindgruppe in der Gemeinde mit meinem Sohn auf dem Rücksitz. Ich will uuunbedingt mal wieder einen Blog-Beitrag veröffentlichen und strotze nur so vor Zuversicht. Es war ein schöner, sehr harmonischer Vormittag (was gerade eher rar ist, denn die Autonomiephase kickt so richtig bei uns), ich habe nach einer Woche Krankheit wieder neue Kraft und heute Nachmittag nichts vor. Also: schnell nach Hause, meinen Kleinen zum Mittagsschlaf hinlegen und an den Laptop setzen. So die Theorie. Let me introduce you: Die Praxis.



Die Praxis
Mein Sohn liebt es, auf der Mauer vor unserem Haus hin und her zu balancieren und Blumen zu riechen. Das muss natürlich auch heute noch passieren. Zufällig läuft der Kater unserer Nachbarin vorbei und diesem MUSS dringend hinterhergejagt werden. Wir landen in unserem Garten, in den sich der Kater geflüchtet hat – da steht, oh Zufall, die Matschküche, die ausgerechnet heute nochmal ausgiebig bespielt werden will. Und so vergeht die Zeit, mein Sohn eigentlich schon etwas übermüdet und ich sehe meinen Blogbeitrag vor meinem inneren Auge davonziehen. „Irgendwie blöd“ denke ich mir… wollte ich doch nach meinem Start Ende letzten Jahres (whaaat?!) so regelmäßig schreiben, hatte mir einen schönen Plan zurechtgelegt und wurde zuletzt sogar gefragt, ob es eine Strategie hinter der Stille hier gibt. Jup, meine Strategie: Das Leben.
Irgendwann haben es mein Sohn und ich dann doch noch in unsere Wohnung geschafft, no worries, da gab es noch einige Zwischenstationen. Und natürlich musste vor dem Mittagsschlaf nochmal ein Snack her, und nochmal ein Spiel aus der Ecke gezogen werden.
Aber hey, irgendwann sitze ich im Zimmer meines Sohnes und begleite ihn für heute in seine wohlverdiente Mittagspause. Dabei muss ich kurz schmunzeln über meine hochmotivierte Zuversicht im Auto und mir fällt ein Satz einer alten Kollegin wieder ein, der mich lange begleitet hat und auch jetzt wieder so gut zutrifft:
„Und dann kam das Leben…“
Sie sagte ihn immer, wenn wir als Team mal wieder in einem Meeting saßen, Deadlines aus den verschiedensten Gründen geschoben werden musste, Material, Infos und Kapazitäten an allen Ecken und Kanten fehlten… auf den Versuch hin zu erklären, woran es denn jetzt liegt, kam dann ein trockenes „Und dann kam das Leben…“ aus ihrem Mund. Und sie machte damit direkt klar, dass hier kein böswilliger Gedanke oder vermasselte Arbeite dahintersteckte – nein, sie machte deutlich, dass wir nicht alles planen können, dass manchmal das Leben einfach anders spielt, auch wenn alle ihr Bestes geben.
Ich glaube, dass wir mit dieser einfachen Aussage (sei sie dir selbst oder anderen gegenüber ausgesprochen), manchmal ein Stück Nachsicht in unseren Alltag – auch und vor allem als Eltern – bringen dürfen. Denn sind wir mal ehrlich: in dem läuft doch nie alles nach Plan. Und „das Leben“ kommt nunmal einfach „dazwischen“.
Und wenn wir genauer hinschauen, bringt genau das auch so viel Schönheit. Ich jedenfalls merke, dass ich in diesem Jahr in den Zeiten, in denen ich es dann nicht geschafft habe alle meine wunderbaren Pläne umzusetzen, mindestens genauso viel Schönes sehen und erleben durfte. Sei es Freundschaften zu vertiefen, Urlaub zu machen, zu Träumen, die ersten Konversationen mit meinem Sohn zu führen, Familie zu besuchen… ich könnte die Liste noch lange weiterführen.
Wenn dich also in den nächsten Wochen mal jemand fragen sollte, warum etwas nicht nach deinen Vorstellungen, Plänen und Wünschen funktioniert hat, obwohl du doch echt dein allerbestes gegeben hast, wünsche ich dir, dass du mit viel Leichtigkeit sagen kannst: „Ja, da kam das Leben…“.





Hier siehst du übrigens noch ein paar Bilder, in denen „das Leben“ dazwischenkam in meinen letzten Monaten – und was soll ich sagen: Ich finde, die Schönheit in den Momenten (und auch der Genuss ;)) sind nicht zu kurz gekommen. Vielleicht hilft es dir auch, wenn mal wieder alle Pläne über den Haufen geschmissen werden, einfach nach ein bisschen Schönheit im Hier und Jetzt zu schauen – es lohnt sich!
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